Estragon auf dem Balkon anbauen: Wann pflanzen, beste Sorten & Pflege
Intro für Estragon auf dem Balkon
Estragon (Artemisia dracunculus) gehört zu den aromatischsten Küchenkräutern und verleiht mit seinem fein-würzigen, leicht süßlichen Anis-Aroma besonders der französischen Küche ihre charakteristische Note. Der mehrjährige Korbblütler erreicht Wuchshöhen von 60-120 cm und eignet sich hervorragend für die Kultur in Töpfen und Kübeln auf dem Balkon.
Besonders der französische Estragon überzeugt durch sein intensives Aroma und lässt sich problemlos in Gefäßen kultivieren. Die Pflanze bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und kommt mit dem Mikroklima auf Balkonen gut zurecht. In den DACH-Ländern gedeiht Estragon sowohl in warmen als auch in kühleren Regionen, benötigt im Winter jedoch einen Frostschutz.
Wann pflanzen
Aussaat und Voranzucht
Die Aussaat von Estragon erfolgt im zeitigen Frühjahr ab März bei Temperaturen um 20°C in Anzuchtschalen. Die Samen keimen innerhalb von 10-14 Tagen. Nach den letzten Frösten, meist ab Mitte Mai, können die Jungpflanzen ins Freie umziehen.
Direktpflanzung
Vorgezogene Jungpflanzen oder gekaufte Exemplare werden ab Mai ins Freie gepflanzt, wenn die Bodentemperatur mindestens 12°C erreicht hat. In kühleren Regionen empfiehlt sich eine Pflanzung erst Ende Mai/Anfang Juni.
Beste Zeit zum Pflanzen

Das optimale Pflanzfenster liegt zwischen Mitte Mai und Ende Juni. In dieser Zeit haben sich die Temperaturen stabilisiert und die Pflanzen können sich vor dem Hochsommer gut einwurzeln. In warmen Regionen ist auch eine zweite Pflanzung im September möglich.
Die Tageslänge spielt für das Wachstum eine wichtige Rolle. Estragon entwickelt sich am besten bei 14-16 Stunden Tageslicht. Extreme Hitzeperioden über 30°C können das Wachstum verlangsamen und sollten bei der Terminwahl berücksichtigt werden.
Beste Estragon-Sorten für DACH
Für den Balkonanbau eignen sich besonders kompakt wachsende Sorten des französischen Estragons. Der russische Estragon ist zwar robuster, besitzt jedoch ein deutlich schwächeres Aroma.
- Französischer Estragon ‘Artemis’: Kompakte Sorte, 60-80 cm hoch, sehr aromatisch, ideal für Töpfe
- ‘Dragon’: Mittelstark wachsend, ausgezeichnetes Aroma, gute Winterhärte bis -15°C
- ‘Pfefferkorn’: Kompakt, intensiv würzig, besonders hitzetolerant
- ‘Monarch’: Aufrechter Wuchs, große Blätter, sehr ertragreich
- ‘Neptune’: Niedrig wachsend (40-50 cm), ideal für kleine Balkone
Wie man Estragon pflanzt
Standort & Boden
Estragon benötigt einen durchlässigen, nährstoffreichen Boden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0. Das Pflanzsubstrat sollte aus 60% Gartenerde, 20% Sand und 20% reifem Kompost bestehen.
Gefäßwahl & Pflanztiefe
Wählen Sie Töpfe mit mindestens 30 cm Durchmesser und 40 cm Tiefe. Pro Pflanze sollten 10-15 Liter Gefäßvolumen zur Verfügung stehen. Pflanzen Sie Estragon so tief, dass der Wurzelballen 2-3 cm mit Substrat bedeckt ist.
Wie man Estragon anbaut
Bewässerung
Estragon benötigt regelmäßige, aber moderate Bewässerung. Pro Woche sind je nach Witterung 1-2 Liter pro Pflanze ausreichend. Der Wurzelballen sollte nie austrocknen, Staunässe muss jedoch vermieden werden.
Düngung
Von April bis August alle 4 Wochen mit organischem Kräuterdünger versorgen. Pro Pflanze genügen 20-30 ml Flüssigdünger auf 2 Liter Gießwasser. Im Spätsommer die Düngung einstellen, um die Winterhärte zu fördern.
Pflege & Bewässerung
Regelmäßiger Rückschnitt fördert einen buschigen Wuchs. Schneiden Sie die Triebe nach der Ernte auf 15-20 cm zurück. Die Wassergaben sollten morgens erfolgen, dabei nur den Wurzelbereich gießen.
Ein 2-3 cm starker Mulch aus Stroh oder Holzhäckseln reduziert die Verdunstung und unterdrückt unerwünschten Wildwuchs. Bei Topfkultur ist eine Drainage aus Blähton oder Kies unerlässlich.
Verständnis von Schossen (Bolting) bei Estragon
Schossen bezeichnet die vorzeitige Blütenbildung, die das Aroma der Blätter beeinträchtigt. Hauptauslöser sind Temperaturschwankungen und Trockenstress. Eine gleichmäßige Wasserversorgung und Teilschatten in der Mittagshitze beugen dem Schossen vor.
Geschossene Pflanzen radikal auf 10 cm zurückschneiden und gleichmäßig feucht halten. Nach 2-3 Wochen treiben neue, aromareiche Triebe aus.
Warum wird Estragon bitter?
Bitterer Geschmack deutet auf Kulturprobleme hin:
- Wassermangel: Führt zu Stressreaktionen – regelmäßig, aber moderat gießen
- Überdüngung: Verursacht übermäßiges Wachstum – Düngergaben reduzieren
- Zu viel direkte Sonne: Erzeugt Bitterstoffe – leichte Beschattung in der Mittagszeit
- Überalterung: Alte Triebe werden bitter – regelmäßiger Rückschnitt nötig
Begleitpflanzen für Estragon
Estragon harmoniert besonders gut mit anderen mediterranen Kräutern. Basilikum, Oregano und Thymian teilen ähnliche Standortansprüche und ergänzen sich im Wuchsverhalten. Petersilie profitiert vom leichten Schatten höherer Estragontriebe.
Ungünstige Nachbarn sind stark zehrende Gemüse wie Tomaten oder Gurken, da sie um Nährstoffe und Wasser konkurrieren.
Saisonkalender
Wichtige Arbeiten im Jahresverlauf:
- März: Aussaat unter Glas, Teilung bestehender Pflanzen
- Mai: Auspflanzen, Start der Düngung
- Juni-August: Regelmäßige Ernte, Wasserkontrolle
- September: Letzter Rückschnitt, Düngung einstellen
- November: Winterschutz anbringen
Probleme & Lösungen
Typische Schwierigkeiten beim Estragonanbau:
| Problem | Schnelle Lösung |
|---|---|
| Gelbe Blätter | Nährstoffmangel – organischen Dünger geben |
| Welke Triebe | Gießmenge prüfen, Staunässe vermeiden |
| Kahle Stellen | Rückschnitt für neue Verzweigung |
| Mehltau | Luftzirkulation verbessern, befallene Teile entfernen |
| Frostschäden | Winterschutz verstärken, im Frühjahr stark zurückschneiden |
Häufige Fragen zum Anbau von Estragon
Die wichtigsten Aspekte der Estragonkultur auf einen Blick:
- Wie oft gießen? Im Sommer alle 2-3 Tage, im Winter nur bei Bedarf. Fingerprobe in 3 cm Tiefe gibt Aufschluss.
- Optimale Topfgröße? Mindestens 30 cm Durchmesser, besser 40 cm für mehrjährige Kultur.
- Winterschutz nötig? Ja, Topf mit Vlies oder Luftpolsterfolie umwickeln, an geschütztem Platz überwintern.
- Wie oft ernten? Alle 2-3 Wochen möglich, dabei nie mehr als 1/3 der Pflanze entfernen.
- Vermehrung möglich? Durch Teilung im Frühjahr oder Stecklinge im Sommer.

