Kerbel auf dem Balkon anbauen: Wann pflanzen, beste Sorten & Pflege
Intro für Kerbel auf dem Balkon
Kerbel (Anthriscus cerefolium) gehört zu den feinsten Küchenkräutern und überzeugt mit seinem delikaten, leicht anisartigen Aroma. Das zarte Gewürzkraut aus der Familie der Doldenblütler eignet sich hervorragend für den Anbau auf dem Balkon, da es kompakt wächst und mit relativ wenig Platz auskommt. Mit einer Wuchshöhe von 30-50 cm passt Kerbel perfekt in Balkonkästen oder mittelgroße Töpfe.
In der DACH-Region gedeiht Kerbel besonders gut, da er kühlere Temperaturen bevorzugt und sich ideal als Frühjahrs- und Herbstkultur eignet. Seine Anspruchslosigkeit und schnelle Entwicklung machen ihn zum idealen Einstiegskraut für Balkongärtner. Von der Aussaat bis zur ersten Ernte vergehen nur etwa 6-8 Wochen.
Wann pflanzen
Aussaatzeitpunkt
Die erste Direktsaat im Freien ist ab März möglich, sobald die Bodentemperaturen konstant über 5°C liegen. Für eine kontinuierliche Ernte empfiehlt sich eine Staffelaussaat alle 3-4 Wochen von März bis August. Die letzte Aussaat sollte spätestens Mitte August erfolgen, damit die Pflanzen vor dem ersten Frost noch erntefähig werden.
Vorkultur
Für einen frühen Start kann Kerbel ab Februar in Anzuchttöpfen auf der Fensterbank vorkultiviert werden. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 15-18°C. Nach etwa 14 Tagen erscheinen die ersten Sämlinge. Die Jungpflanzen können nach den letzten Frösten, meist ab Mitte April, ins Freie umziehen.
Beste Zeit zum Pflanzen

Die optimale Pflanzzeit für vorgezogene Kerbel-Jungpflanzen liegt zwischen Mitte April und Ende Mai. In dieser Phase sind die Temperaturen ideal für ein schnelles Anwachsen, ohne dass die Pflanzen durch Spätfröste oder sommerliche Hitze gestresst werden. Die Tageslängen von 12-14 Stunden fördern zudem das vegetative Wachstum.
Für Herbstkulturen eignet sich ein zweites Pflanzfenster von Mitte August bis Anfang September. Die dann noch warmen Böden in Kombination mit zunehmender Luftfeuchtigkeit und milderen Temperaturen bieten optimale Startbedingungen. In geschützten Lagen kann Kerbel bis in den späten Herbst hinein geerntet werden.
Beste Kerbel-Sorten für DACH
Für den Balkonanbau eignen sich besonders kompakt wachsende und schossresistente Sorten. Die Auswahl sollte sich nach dem geplanten Verwendungszweck und den lokalen Klimabedingungen richten.
- ‘Fijne Krul’ – Fein gekrauste Blätter, besonders aromatisch, sehr gut für Töpfe geeignet
- ‘Vertissimo’ – Robust und ertragreich, später schossend, ideal für Balkonkästen
- ‘Massa’ – Kompakter Wuchs, dunkelgrünes Laub, gute Kältetoleranz
- ‘Common’ – Klassische Sorte, zuverlässig und anpassungsfähig
- ‘Delicacy’ – Feinblättrig, intensives Aroma, gut für geschützte Standorte
- ‘Perfection’ – Schossfest, kräftiger Wuchs, ideal für Dauerkultur
Wie man Kerbel pflanzt
Standort & Boden
Kerbel bevorzugt einen halbschattigen bis leicht sonnigen Standort mit Schutz vor praller Mittagssonne. Das Substrat sollte humusreich, locker und gut durchlässig sein. Ein pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0 ist optimal. Mischen Sie Balkonerde im Verhältnis 3:1 mit reifem Kompost.
Abstand & Tiefe
Säen Sie die Samen direkt in Balkonkästen oder Töpfe mit mindestens 20 cm Tiefe. Der Reihenabstand sollte 15-20 cm betragen, in der Reihe genügen 5-8 cm zwischen den Pflanzen. Die Saattiefe beträgt 1-2 cm. Verwenden Sie Töpfe mit mindestens 5 Litern Volumen für Einzelpflanzen.
Wie man Kerbel anbaut
Bewässerung
Kerbel benötigt gleichmäßig feuchte, aber nie staunasse Erde. Im Hochsommer sind täglich 100-150 ml Wasser pro Pflanze nötig, im Frühjahr und Herbst reicht meist alle 2-3 Tage eine Bewässerung. Prüfen Sie die Feuchtigkeit regelmäßig mit dem Fingertest.
Düngung
Eine Grunddüngung erfolgt beim Pflanzen durch den Kompostanteil im Substrat. Ab der 4. Woche nach der Aussaat sollte alle 14 Tage mit einem organischen Kräuterdünger (verdünnt nach Herstellerangaben) nachgedüngt werden. Alternativ eignet sich Brennnesseljauche im Verhältnis 1:10.
Pflege & Bewässerung
Die wichtigste Pflegemaßnahme ist regelmäßiges Ernten, das das Wachstum neuer Triebe fördert. Entfernen Sie vergilbte oder beschädigte Blätter umgehend. Eine 2-3 cm starke Mulchschicht aus Grasschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt unerwünschten Wildwuchs.
Achten Sie besonders in Hitzeperioden auf ausreichende Wasserversorgung, ohne dabei zu überwässern. Morgendliche Bewässerung ist optimal, da die Pflanzen dann den Tag über das Wasser gut nutzen können. Vermeiden Sie Staunässe durch geeignete Drainage und luftiges Substrat.
Verständnis von Schossen (Bolting) bei Kerbel
Schossen bezeichnet die vorzeitige Blütenbildung, die das Blattwachstum stoppt und die Blätter bitter werden lässt. Hauptauslöser sind Temperaturen über 25°C, lange Tage im Hochsommer und Trockenstress. Durch regelmäßigen Rückschnitt kurz über dem Boden kann das Schossen verzögert werden.
Vorbeugende Maßnahmen umfassen die Wahl schossfester Sorten, Anbau in kühleren Jahreszeiten und konsequente Wasserversorgung. Geschosste Pflanzen sollten komplett entfernt und durch Neusaat ersetzt werden. Im Spätsommer gepflanzte Kulturen schossen deutlich weniger.
Warum wird Kerbel bitter?
Bitterer Geschmack ist ein häufiges Problem beim Kerbelanbau, das verschiedene Ursachen haben kann.
- Wassermangel – Führt zu Stressreaktionen; regelmäßige, ausgewogene Bewässerung ist essentiell
- Zu sonniger Standort – Verursacht Hitzestress; Schattierung in der Mittagszeit anbringen
- Überalterung – Rechtzeitige Ernte und regelmäßige Nachsaat wichtig
- Nährstoffmangel – Ausgewogene Düngung alle 2-3 Wochen durchführen
- Schossbildung – Temperaturstress vermeiden, schossresistente Sorten wählen
Begleitpflanzen für Kerbel
Kerbel harmoniert besonders gut mit anderen Kräutern und Gemüsepflanzen, die ähnliche Standortansprüche haben. Ideal sind Kombinationen mit Dill, Petersilie oder Koriander, da diese ähnliche Pflegebedürfnisse haben und sich gegenseitig im Wachstum unterstützen.
Weniger geeignet sind stark zehrende Pflanzen wie Tomaten oder Gurken, die dem Kerbel Nährstoffe und Wasser streitig machen. Auch zu intensive Duftkräuter wie Thymian oder Oregano können das feine Kerbelaroma überdecken.
Saisonkalender
Ein durchdachter Anbauplan ermöglicht kontinuierliche Ernten von Frühjahr bis Herbst.
- Februar/März: Vorkultur auf der Fensterbank, erste Direktsaat bei mildem Wetter
- April: Hauptaussaat im Freien, Auspflanzen der vorgezogenen Sämlinge
- Mai-Juli: Regelmäßige Nachsaaten alle 3-4 Wochen
- August: Letzte Aussaat für Herbsternte
- September/Oktober: Ernte der Herbstkultur
- November: Wintervorbereitung, Rückschnitt, Schutz vor Frost
Probleme & Lösungen
Häufige Kulturprobleme lassen sich meist mit einfachen Maßnahmen beheben.
| Problem | Schnelle Lösung |
|---|---|
| Gelbe Blätter | Stickstoffdüngung erhöhen, Wassermenge prüfen |
| Dünner Wuchs | Standort heller wählen, Abstände verringern |
| Mehltau | Luftzirkulation verbessern, befallene Teile entfernen |
| Welke Pflanzen | Gießmenge anpassen, Staunässe vermeiden |
| Schneckenfrass | Kupferband anbringen, abends gießen |
Häufige Fragen zum Anbau von Kerbel
Die erfolgreiche Kerbelkultur wirft oft ähnliche Fragen auf, deren Beantwortung zum Gelingen beiträgt.
- Wie oft muss ich gießen? – Im Sommer täglich, sonst alle 2-3 Tage; Substrat sollte gleichmäßig feucht sein
- Welche Topfgröße ist optimal? – Mindestens 5 Liter pro Pflanze, besser 10 Liter für mehrere Pflanzen
- Wann kann ich erstmals ernten? – 6-8 Wochen nach der Aussaat, sobald die Pflanzen 15-20 cm hoch sind
- Wie oft kann nachgesät werden? – Alle 3-4 Wochen von März bis August für kontinuierliche Ernte
- Übersteht Kerbel den Winter? – Nur in sehr milden Lagen; besser als einjährige Kultur behandeln

