Zitronenmelisse aus Stecklingen vermehren: Wann pflanzen, beste Methoden & Pflege
Intro zur Vermehrung von Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehört zu den dankbarsten Kräutern im Garten und lässt sich besonders einfach über Stecklinge vermehren. Diese mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler besticht durch ihr intensives Zitronenaroma und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in Küche und Naturheilkunde.
Die Vermehrung über Stecklinge bietet gegenüber der Aussaat mehrere Vorteile: Sie ist schneller, die neuen Pflanzen sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze und tragen deren bewährte Eigenschaften weiter. In den DACH-Ländern gedeiht Zitronenmelisse problemlos im Freiland und eignet sich auch hervorragend für Balkon und Terrasse.
Wann pflanzen
Die ideale Zeit für Stecklinge liegt zwischen Mai und August, wenn die Mutterpflanzen kräftig wachsen. Die Bodentemperatur sollte mindestens 15°C betragen, optimal sind 18-22°C. Zu dieser Zeit haben die Triebe die perfekte Konsistenz – weder zu weich noch zu holzig.
Zeitplan nach Region
In wärmeren Regionen wie dem Rheintal kann bereits ab Mitte April mit der Stecklingsvermehrung begonnen werden. In kühleren Lagen der Alpenregion wartet man besser bis Ende Mai. Die Bewurzelung dauert je nach Temperatur 2-3 Wochen.
Beste Zeit zum Pflanzen

Für die Stecklingsvermehrung im Freiland eignen sich die Morgenstunden von Juni bis August am besten. Die Pflanzen sind dann optimal mit Wasser versorgt und leiden nicht unter der Mittagshitze. In geschützten Räumen oder unter Folie ist die Vermehrung ganzjährig möglich.
Die bewurzelten Stecklinge sollten mindestens 6-8 Wochen vor dem ersten Frost ausgepflanzt werden, damit sie sich gut etablieren können. In den meisten Regionen bedeutet dies eine Pflanzung bis spätestens Ende August.
Beste Zitronenmelisse-Sorten für Stecklinge
Nicht alle Zitronenmelisse-Sorten eignen sich gleich gut für die Stecklingsvermehrung. Besonders erfolgversprechend sind Sorten mit kräftigem Wuchs und guter Verzweigung.
- Citronella – Klassische Sorte mit intensivem Zitronenduft, bildet schnell Wurzeln
- Quedlinburger Niederliegende – Kompakter Wuchs, ideal für Töpfe, sehr vermehrungsfreudig
- Lime – Besonders aromatisch mit leichter Limonennote, robust und schnellwüchsig
- Aurea – Goldgelb gefleckte Blätter, dekorativ, gut bewurzelnd
- All Gold – Gelblaubige Sorte, langsamer wachsend, aber zuverlässig bei der Vermehrung
Wie man Zitronenmelisse-Stecklinge pflanzt
Vorbereitung der Stecklinge
Wählen Sie gesunde, nicht blühende Triebe von 10-15 cm Länge. Schneiden Sie diese morgens mit einem scharfen Messer direkt unter einem Blattpaar ab. Entfernen Sie die unteren Blattpaare, sodass 5-7 cm des Stängels frei sind.
Pflanzsubstrat und Gefäße
Verwenden Sie eine lockere, nährstoffarme Mischung aus Anzuchterde und Sand (Verhältnis 2:1). Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,0 liegen. Töpfe oder Anzuchtschalen müssen mindestens 10 cm tief sein und Drainagelöcher haben.
Wie man Zitronenmelisse-Stecklinge kultiviert
Bewurzelung
Stecken Sie die vorbereiteten Triebe etwa 3-4 cm tief ins Substrat. Der Abstand zwischen den Stecklingen sollte 5-7 cm betragen. Halten Sie das Substrat gleichmäßig feucht, aber nicht nass. Eine Temperatur von 20-22°C fördert die Wurzelbildung optimal.
Pflege der Jungpflanzen
Nach erfolgreicher Bewurzelung werden die Jungpflanzen schrittweise an normalere Bedingungen gewöhnt. Reduzieren Sie die Luftfeuchtigkeit langsam und erhöhen Sie die Lichtzufuhr graduell über 7-10 Tage.
Pflege & Bewässerung
Wasserbedarf
Frisch gesteckte Triebe benötigen täglich leichte Wassergaben von etwa 50-100 ml pro Topf. Das Substrat sollte nie austrocknen, aber auch nicht dauerhaft nass sein. Verwenden Sie zimmerwarmes Wasser und gießen Sie vorzugsweise morgens.
Düngung
In den ersten 3-4 Wochen ist keine Düngung nötig. Danach können Sie alle 14 Tage mit stark verdünntem Kräuterdünger (EC-Wert max. 1,0) versorgen. Bewurzelte Pflanzen erhalten monatlich eine normale Düngergabe.
Verständnis von Schossen (Bolting) bei Zitronenmelisse
Zitronenmelisse-Stecklinge neigen selten zum Schossen, da sie vegetativ vermehrt werden. Dennoch können Stress durch Trockenheit oder extreme Temperaturschwankungen vorzeitige Blütenbildung auslösen. Entfernen Sie Blütentriebe sofort, um die Kraft in das Wurzelwachstum zu lenken.
Bei etablierten Pflanzen ist moderates Schossen normal und beeinträchtigt die Qualität nicht. Ein regelmäßiger Rückschnitt um etwa ein Drittel fördert kompaktes Wachstum und verhindert übermäßige Blütenbildung.
Warum wird Zitronenmelisse bitter?
Bitterkeit bei Zitronenmelisse ist meist ein Zeichen von Stress oder falscher Pflege.
- Wassermangel: Führt zu konzentrierten Bitterstoffen – regelmäßig, aber maßvoll gießen
- Überalterung: Alte Blätter werden bitter – regelmäßig ernten und zurückschneiden
- Nährstoffmangel: Besonders Stickstoffmangel fördert Bitterkeit – moderate Düngung alle 4-6 Wochen
- Zu viel Sonne: Direktes Mittagslicht vermeiden – leichter Halbschatten ist ideal
[Fortsetzung folgt aufgrund der Zeichenbegrenzung…]

